Das Haus

Der Ursprung der traditionsreichsten Bülacher Gaststätte liegt im 14. Jahrhundert. Damals bauten die Freiherren von Tengen die dörfliche Vogtei zum befestigten Ort aus. Das «Gasthaus zum Kopf» hatte Tavernenrecht und lag unmittelbar beim oberen Tor. Heute zeugt davon nur noch die enge Stelle in der Marktgasse vor unserer Sommergarten-Lounge, das Tor selbst ist längst abgebrochen. Vermutlich fiel das Gasthaus – wie praktisch die ganze Stadt – den drei grossen Bränden von 1386, 1444 und 1506 zum Opfer.

Zum Namen «Kopf» dürfte das Gasthaus wegen des alten Hohlmasses von 3,66 Litern gekommen sein. Inzwischen ist ein goldenes Antlitz als Sinnbild für den Kopf auf dem reich verzierten Wirtshausschild abgebildet. In der Mitte des 16. Jahrhunderts gab es bauliche Veränderungen, vielleicht entstand sogar ein Neubau. Jedenfalls ist belegt, dass der Stand Schaffhausen 1570 seine Wappenscheibe der neuen Gaststube stiftete. Die Lage an der Handels- und Pilgerstrasse von Eglisau nach Zürich liess das Gasthaus florieren. Die Besitzer gehörten über Generationen den Honoratioren der Stadt an und bekleideten Ämter wie jenes des Stadthauptmanns oder des Spendmeisters.

Von Dichtern, Denkern und gekrönten Häuptern
1797 wurden die Wappenscheiben im Gasthaus von Johann Wolfgang von Goethe bei seiner dritten Reise in den Süden einer aufmerksamen Betrachtung unterzogen. Im damaligen Deutschland waren die bunten Scheiben auch als Schweizer Scheiben bekannt und äusserst beliebt. Das Deckengemälde des Stöffi (Christoph) Kuhn von Rieden aus dem Jahr 1762 und die schönen Stuckaturarbeiten fielen dem in den besten barocken Schlössern verkehrenden Goethe weniger auf. Trotzdem wurde der Raum nach seiner Reise zum «Goethe-Stübli». 1852 speiste der damalige schwedische König im «Goldenen Kopf» und liess es sich gut gehen.

Auch Gottfried Keller, Dichter und erster Staatsschreiber des Kantons Zürich, kannte das heutige Hotel Restaurant «Zum Goldenen Kopf» bestens. Nahm er doch die kleine Stadt Bülach und ihre Menschen als Vorbild für sein Werk «Die Leute von Seldwyla», das 1856 erschien.

Zeugen der Zeit
Von 1862 bis 1962 war das Gasthaus im Besitz der Familie Huber. 1961 beschloss die Gemeindeversammlung von Bülach den Kauf des Gasthauses, die Stadt wollte damit das Ortsbild möglichst weitgehend erhalten. Der Antrag für einen entsprechenden Projektkredit war vorbereitet, als das Gebäude in der Nacht vom 21. auf den 22. Juni 1962 einem Brand zum Opfer fiel. Noch im selben Jahr beschlossen die Stimmbürger den Wiederaufbau mit grossem Mehr. Vor allem die oberen Stockwerke waren stark in Mitleidenschaft gezogen und so liessen sich nur das Stück Ringmauer und das Treppentürmchen in den Neubau integrieren. Die Gipsdecke des «Goethe-Stübli» kam relativ glimpflich davon und wurde restauriert. Wer aufmerksam durch die Räume schreitet, dem begegnen zahlreiche Zeugen der Zeit. – Heute steht das Hotel Restaurant «Zum Goldenen Kopf» unter dem Schutz der schweizerischen Eidgenossenschaft.