Teil 2: Die Zeitreise

Datum: by Hotel Restaurant Zum Goldenen Kopf

Völlig starr vor Überraschung bringt Sascha keinen Ton hervor. Erst als er sich wieder einigermassen gefasst hat, stammelt er knapp: «Du kannst ja sprechen!» «Natürlich kann ich sprechen», entgegnet der goldene Kopf bestürzt. «Wie sonst sollte ich denn die Geschichte bewahren und an die kommenden Generationen weitergeben? Wie du siehst, habe ich ja keine Hände zum Schreiben!» Schallendes Gelächter erfüllt den Raum, als der Kopf sich offenkundig über seinen eigenen Witz amüsiert. Nun muss auch Sascha ein wenig schmunzeln und stimmt ins Lachen mit ein. Wenn auch weniger wegen der Bemerkung des Kopfes als vielmehr wegen der völlig absurden Situation, in die er gerade hineingeraten ist. Er befindet sich mehrere Meter unter der Erde, mitten in einem Geheimgang. Zusammen mit einem sprechenden goldenen Kopf, der offenbar einen noch eigenartigeren Humor hat als sein Vater – und das heisst schon was!

 

Wieder von der Neugier überwältigt, fragt er den Kopf, was für eine Geschichte er denn an die kommenden Generationen weitergeben will. «Na, die Geschichte dieses Hauses!», antwortet dieser wiederum einigermassen bestürzt. «Weisst du denn nicht, in welchem historischen Bauwerk du die nächsten Tage nächtigen wirst?» Sascha hatte schon gehört, dass einige bekannte Personen hier übernachtet haben. So besonders fand er das aber nicht, denn auch die mussten ja schliesslich irgendwo schlafen. Als er dem Kopf seine Zweifel mitteilt, scheint es dem vor Überraschung die Sprache zu verschlagen. «Nun …», stammelt er nach einer kurzen Pause, «… dann lass mich dir zeigen, was sich hier in den letzten Jahren so zugetragen hat.» Plötzlich erfüllt ein lautes Rauschen den Raum und alles um Sascha herum wird schwarz. Völlig orientierungslos und leicht benebelt von dem ohrenbetäubenden Lärm, versucht er sich seiner Umgebung wieder bewusst zu werden. Er staunt nicht schlecht, als er sich unter freiem Himmel und mehrere Meter über dem Boden wiederfindet. Etwa auf Augenhöhe neben ihm schwebt der goldene Kopf und dahinter erkennt Sascha das Hotel Restaurant «Zum Goldenen Kopf».

 

Aber irgendetwas scheint hier nicht zu stimmen. Die Autos, die bei ihrer Ankunft noch neben der Strasse gestanden hatten, sind verschwunden, und an ihrer Stelle stehen nun Kutschen und Pferde. Auch das Haus selbst sieht anders aus, als er es von heute Morgen noch in Erinnerung hat. «Willkommen im Jahr 1474!», posaunt sein Begleiter. «Heute ist der Tag, an dem Hans von Waltheym unseren Gasthof besucht.» «Warte, WAS?» Sascha kann es nicht fassen! Sind sie gerade wirklich in die Vergangenheit gereist? Ist das überhaupt möglich? «Hans von Waltheym», fährt der goldene Kopf unbeirrt fort, «ist einer der einflussreichsten Pfänner und Bürgermeister der Stadt Halle. Pfänner gewinnen Speisesalz mithilfe spezieller Pfannen – daher der Name – und Salz ist sehr viel wert. Wie du siehst, ist unser Gast eine sehr wichtige Persönlichkeit.» «Aber Halle liegt doch in Deutschland!», entgegnet Sascha. Er kennt die Stadt, denn er hat mit seinem Onkel im letzten Jahr dort einige schöne Burgruinen erforscht. «Was will er hier?» «Nun, normalerweise behelligen wir unsere Gäste nicht mit solchen Fragen, aber zufälligerweise weiss ich, dass er als Zwischenhalt auf seiner Pilgerreise nach Saint-Maximin-la-Sainte-Baume in den Süden Frankreichs unterwegs ist.»«Also gut, da war also vor vielen Jahren einmal eine wichtige Salz-Persönlichkeit hier. War das etwa schon alles?», fragt Sascha, als sie wieder in der Gegenwart zurück sind. Leicht gereizt erwidert der goldene Kopf: «Sooo, du willst also mehr? Das kannst du haben!» Und wieder beginnt es zu rauschen und alles wird schwarz.

 

Ende des 2. Teils. Wie geht es weiter? Was hat es mit dem mysteriösen Kopf auf sich? Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen erwarten Sie im dritten Teil von «Saschas Abenteuern».